Auf einen Blick
Ein 4-20mA Drucktransmitter wird in einer Stromschleife betrieben: + Versorgung (24 V DC) → Transmitterklemme (+) → Transmitterklemme (−) → SPS-Analogeingang (250 Ω Bürde) → Netzteil (−). Stellen Sie sicher, dass die Bürde die zulässige Maximalverlustleistung nicht überschreitet, erden Sie den Kabelschirm einseitig am Schaltschrank, und kalibrieren Sie den SPS-Eingang auf den Messbereich des Transmitters.
Was bedeutet 4-20mA – und warum dieser Standard?
Das 4-20mA Stromsignal ist der internationale Standard für analoge Feldgeräte in der Prozessautomation (IEC 60381-1 ↗ IEC.ch). Im Gegensatz zu Spannungssignalen (0-10 V) überträgt das Stromsignal über weite Leitungslängen fehlerfrei, da der Leitungswiderstand den Strom nicht verändert — der Transmitter regelt seinen Ausgangsstrom aktiv nach.
Der entscheidende Sicherheitsvorteil: Ein Signal unter 3,6 mA zeigt sofort einen Leitungsbruch, einen Kurzschluss oder einen Geräteausfall an (NAMUR NE 43 Fehlersignal (namur.net ↗)). Eine offene Schleife führt zu 0 mA — das SPS-System erkennt den Fehler und kann Alarm auslösen. Das ist bei 0-10 V nicht möglich: 0 V könnte sowohl Messwert 0 als auch Leitungsbruch bedeuten.
Messbereichszuordnung
Die Zuordnung von Strom zu Druck ist linear:
12 mA → Bereichsmitte (z. B. 5 bar)
20 mA → obere Bereichsgrenze (z. B. 10 bar)
Druck = Messbereich × (I_mA – 4) / 16
2-Draht vs. 3-Draht Drucktransmitter
Bevor Sie mit dem Anschluss beginnen, müssen Sie wissen, ob Ihr Transmitter ein 2-Draht- oder 3-Draht-Gerät ist. Die Angabe findet sich auf dem Typenschild oder im Datenblatt.
2-Draht (Loop-Powered)
- Nur zwei Leitungen: + und −
- Versorgung und Signal über dieselbe Schleife
- Mindest-Versorgungsspannung am Gerät: 10–12 V DC
- Gesamtversorgung typisch 12–36 V DC
- Standard für einfache SPS-Anbindung
- Weniger Verkabelungsaufwand, geringere Kosten
3-Draht (Extern versorgt)
- Drei Leitungen: + Versorgung, − Versorgung, Signalausgang
- Eigene Versorgungsquelle, unabhängig vom Signalkreis
- Typisch bei Transmittern mit Display oder digitaler Schnittstelle
- Höherer Leistungsverbrauch möglich
- Signalausgang referenziert auf Versorgungs-Minus
- Vorsicht: Masseschleifen vermeiden
Bürde (Loop-Resistance) berechnen
Die Bürde ist der Gesamtwiderstand aller passiven Elemente in der Stromschleife: SPS-Analogeingang, Kabelwiderstand, Schutzwiderstände und eventuell ein HART-Kommunikationsfilter. Sie begrenzt, wie viel Spannung der Transmitter bei 20 mA an die Last abgeben muss.
Beispiel: U = 24 V DC, U_min_Transmitter = 12 V
R_max = (24 – 12) / 0,020 = 600 Ω
Kabelwiderstand (je 100 m): 1,5 mm² ≈ 12 Ω, 0,5 mm² ≈ 36 Ω
SPS-Eingang 1-5 V: 250 Ω Bürde
SPS-Eingang 0-10 V: 500 Ω Bürde
Überschreitet die Summe aus SPS-Eingangswiderstand + Kabelwiderstand + Schutzwiderstand den R_max-Wert, kann der Transmitter den Strom von 20 mA nicht mehr aufrechterhalten — das obere Messbereichsende wird nicht erreicht. Lösung: Versorgungsspannung erhöhen oder Kabelquerschnitt vergrößern.
- HART-Kommunikation erfordert mindestens 250 Ω in der Schleife (HART-Kommunikator benötigt diese Spannung)
- Für Standard-SPS-Eingang mit 1–5 V: 250-Ω-Präzisionswiderstand (0,1 %) parallel zum Eingang
- Bei SPS-Karten mit integrierter 4-20mA-Eingangsschaltung: Karte hat eigene Bürde, kein externer Widerstand nötig
- Mehrere SPS-Kanäle in derselben Schleife: Widerstände addieren sich — prüfen Sie den Gesamtwiderstand
Schritt-für-Schritt Anschlussanleitung
Die folgende Anleitung beschreibt den Anschluss eines 2-Draht-Drucktransmitters an eine SPS mit 24 V DC Speisung und einem Analogeingang mit 250-Ω-Bürde.
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1Spannung abschalten und Versorgungskreis prüfen
Schalten Sie alle 24-V-DC-Kreise spannungslos. Prüfen Sie die Ausgangsspannung des Netzteils (Leerlauf) und notieren Sie den Innenwiderstand. Stellen Sie sicher, dass das Netzteil für den Kurzschlussstrom eines Schleifenbruchs ausgelegt ist.
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2Kabel auswählen und verlegen
Verwenden Sie verdrilltes, geschirmtes Kabel (LIYCY 2×0,5 mm² oder 2×1,5 mm² bei langen Leitungen). Verlegen Sie das 4-20mA-Kabel räumlich getrennt von 230/400 V Starkstromleitungen — Mindestabstand 150 mm ohne Trennwand, 50 mm mit geerdetem Metallkanal.
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3Schirm auflegen (einseitig am Schaltschrank)
Legen Sie den Kabelschirm ausschließlich am Schaltschrank-Ende auf Schutzerde (PE) auf. Das Transmitter-Ende bleibt offen (nicht mit Gehäuse verbinden). Beidseitige Schirmauflage erzeugt Ausgleichsströme und kann das Messsignal stören.
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4Transmitter anschließen (2-Draht-Schema)
Klemme (+) des Transmitters → Leitungsdraht (+) → Klemme (+) des SPS-Analogeingangs. Klemme (−) des SPS-Eingangs → Leitungsdraht (−) → Klemme (−) des Transmitters. Die 24-V-DC-Versorgung liegt am SPS-Eingang — die meisten modernen SPS-Analogeingänge speisen die Schleife direkt. Bei separatem Netzteil: + Netzteil → Transmitter (+), Transmitter (−) → SPS-Eingang → Netzteil (−).
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5Bürde prüfen und Spannung einschalten
Messen Sie mit einem Multimeter den Widerstand zwischen den SPS-Klemmen (bei abgeschalteter Versorgung). Der Messwert sollte dem SPS-Eingangswiderstand entsprechen. Schalten Sie dann die 24-V-Versorgung ein und messen Sie den Strom in der Schleife bei bekanntem Druck (z. B. Atmosphärendruck für den Nullwert).
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6SPS-Eingang konfigurieren und skalieren
Stellen Sie im SPS-Engineering-Tool den Eingangstyp auf „Strom 4-20mA" (oder „1-5V" bei Bürde) ein. Hinterlegen Sie die Skalierung: 4 mA = untere Druckgrenze, 20 mA = obere Druckgrenze. Aktivieren Sie die Drahtrucherkennung (Wire-Break Detection), sofern die SPS-Karte dies unterstützt — Signal unter 3,6 mA löst dann einen Alarm aus.
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7Nullpunkt und Spanne prüfen
Schließen Sie den Prozessanschluss bei bekanntem Referenzdruck (Atmosphäre oder kalibrierter Referenz). Vergleichen Sie den angezeigten SPS-Wert mit dem Referenzwert. Bei Abweichung über ±0,5 % des Messbereichs führen Sie eine Nullpunkt- und Spanneneinstellung am Transmitter durch (ZERO/SPAN-Tasten oder über HART-Kommunikator).
4-20mA vs. anderen Ausgangssignalen
| Kriterium | 4-20mA | 0-10 V | HART / Modbus |
|---|---|---|---|
| Leitungslänge | Bis 1.000 m (stromstark) | Bis ~300 m (spannungsempfindlich) | Unbegrenzt (digital) |
| EMV-Empfindlichkeit | Gering (Strom resistenter als Spannung) | Mittel | Gering (digital mit CRC) |
| Fehlerkennung | Leitungsbruch (<3,6 mA erkennbar) | Kein Unterschied 0 V / Bruch | Vollständige Fehlerdiagnose |
| Verkabelung | 2 Drähte ausreichend | 2–3 Drähte + getrennte Erde | 2–4 Drähte (RS-485 oder Schleife) |
| SPS-Integration | Universell (alle SPS-Typen) | Universell | Erfordert Modbus/HART-Karte |
| Parameterierung / Diagnose | Keine (nur Messwert) | Keine | Vollständig (Kalibrierung, Gerätestatus) |
| Kosten Infrastruktur | Niedrig | Niedrig | Mittel (Gateway/Karte) |
Häufige Fehler und Diagnose
Signal unter 4 mA bei Nulldruck
Ursache: Transmitter nicht korrekt auf Nullpunkt kalibriert, oder die Versorgungsspannung an der Transmitterklemme liegt unter dem Mindestbetriebswert. Prüfen: Spannung zwischen (+) und (−) am Transmitter bei 20-mA-Betrieb messen — muss ≥ 10 V (Herstellerwert beachten) betragen.
Signal springt oder rauscht
Ursachen: Schlechte Schirmauflage, Parallelführung mit Starkstromleitungen, Masseströmungskreise (beidseitige Schirmauflage). Abhilfe: Schirm nur einseitig auflegen, Kabel umpositonieren, Potentialausgleichsleiter zwischen Schaltschrank und Feldgerät prüfen.
Signal 4 mA, kein Anstieg bei Druck
Transmitter liefert 4 mA = Nullpunkt, aber kein Signal bei Druckbeaufschlagung: Prozessanschluss verstopft oder Messmembran blockiert. Dichtigkeit der Prozessverbindung und Schutzkappe prüfen. Alternativ: Elektrischer Defekt — Transmitter mit einem kalibrierten Handpumpen-Prüfset auf dem Tisch testen.
Bürde zu hoch — SPS zeigt Vollausschlag
Wenn die Summe aus Kabelwiderstand und SPS-Eingangswiderstand den R_max-Wert überschreitet, sieht der SPS-Analogeingang eine zu niedrige Spannung und rechnet einen zu hohen Strom aus. Lösung: Kabelquerschnitt vergrößern, kürzere Kabelwege wählen oder Versorgungsspannung auf 28–30 V DC erhöhen.
Häufige Fragen (FAQ)
Technische Fragen zum Anschluss Ihres Drucktransmitters?
Unser Applikationsteam beantwortet Ihre Fragen kostenlos — inklusive Datenblatt und Anschlussplan innerhalb von 24 Stunden.